Lernfragen: 01 – Einführung
Was ist Wirtschaftspolitik?
Die folgenden Fragen orientieren sich am Klausurformat. Versuchen Sie, jede Frage zunächst selbst zu beantworten, bevor Sie die Musterlösung aufklappen.
Frage 1: Drei Perspektiven
Nennen Sie die drei Perspektiven der Wirtschaftspolitik und erläutern Sie jeweils in einem Satz, welche Frage sie beantworten.
- Positive Wirtschaftspolitik: Was passiert, wenn der Staat eine bestimmte Maßnahme ergreift? (Ursache-Wirkungs-Analyse)
- Normative Wirtschaftspolitik: Was sollte der Staat tun? (Bewertung anhand von Effizienz, Gerechtigkeit etc.)
- Politische Ökonomie: Warum kommt es zu bestimmter Politik – auch wenn sie nicht optimal ist? (Analyse politischer Entscheidungsprozesse)
Frage 2: Ordnungs- vs. Prozesspolitik
Ein Land führt ein neues Kartellgesetz ein, das Preisabsprachen unter Strafe stellt. Handelt es sich um Ordnungspolitik oder Prozesspolitik? Begründen Sie.
Ordnungspolitik. Das Kartellgesetz legt allgemeine Rahmenbedingungen für den Wettbewerb fest, ohne direkt in einzelne Märkte einzugreifen. Es sichert die marktwirtschaftliche Ordnung.
Frage 3: Prozesspolitik erkennen
Geben Sie ein Beispiel für Prozesspolitik und erklären Sie, warum es sich nicht um Ordnungspolitik handelt.
Beispiel: Konjunkturpaket in einer Rezession. Dies ist Prozesspolitik, weil der Staat direkt und kurzfristig in wirtschaftliche Abläufe eingreift, um die Konjunktur zu steuern. Ordnungspolitik hingegen setzt allgemeine Rahmenbedingungen (z.B. Kartellrecht), ohne auf einzelne Märkte oder Situationen zu reagieren.
Frage 4: Instrumente und ihre Eigenschaften
Nennen Sie vier wünschenswerte Eigenschaften wirtschaftspolitischer Instrumente und geben Sie jeweils ein Beispiel.
- Kontrollierbarkeit: Staat kann die Maßnahme steuern (z.B. Steuersätze anpassen)
- Effektivität: Ziel wird mit geringen Nebenwirkungen erreicht (z.B. CO_2-Steuer zur Emissionsreduktion)
- Unabhängigkeit: Nicht durch externe Einflüsse verzerrt (z.B. automatische Stabilisatoren)
- Praktische Anwendbarkeit: Rechtlich zulässig und verwaltbar (z.B. klar strukturierte Subventionsprogramme)
Frage 5: Einordnung
Ordnen Sie die folgenden Maßnahmen jeweils einer der drei Perspektiven zu (positiv / normativ / politökonomisch):
- Eine Studie zeigt, dass der Mindestlohn die Beschäftigung um 2% gesenkt hat.
- Ein Ökonom empfiehlt einen CO_2-Preis von 80 €/t als wohlfahrtsoptimal.
- Eine Subvention wird eingeführt, weil eine Lobbygruppe politischen Druck ausübt.
- Positive Wirtschaftspolitik (empirische Analyse eines kausalen Effekts)
- Normative Wirtschaftspolitik (Empfehlung basierend auf einem Wohlfahrtskriterium)
- Politische Ökonomie (Erklärung, warum eine möglicherweise ineffiziente Politik zustande kommt)
Frage 6: Wirtschaftspolitik im Mehrebenensystem
Nennen Sie drei verschiedene Ebenen, auf denen Wirtschaftspolitik stattfindet, und geben Sie jeweils ein Beispiel für eine Zuständigkeit. Warum kann es zu Konflikten zwischen den Ebenen kommen?
Beispiele für Ebenen und Zuständigkeiten:
- Kommune: Gewerbesteuer, lokale Infrastruktur
- Bund: Arbeitsmarktpolitik, Sozialversicherung
- EU: Handelspolitik, Wettbewerbspolitik, Geldpolitik (EZB)
Konflikte entstehen, weil Zuständigkeiten oft überlappend oder umstritten sind – z.B. kann nationale Fiskalpolitik mit den Regeln des EU-Stabilitätspakts kollidieren, oder kommunale Wirtschaftsförderung kann mit Bundesrecht in Spannung stehen.